Claude soll keine Spiele mehr klonen: Anthropic zieht die Notbremse

Erinnerst du dich an unseren Beitrag zu KI-Spielen auf Steam, in dem Valve klargestellt hat, dass es nicht den Türsteher spielen will? Jetzt kommt Bewegung von einer ganz anderen Seite: Anthropic hat seinem KI-Coding-Tool Claude Code beigebracht, keine bestehenden Spiele mehr nachzubauen.

Was genau passiert ist

Aufgefallen ist die Änderung zuerst einem X-Nutzer namens chasm. Laut seinem Post hat Claude Code um den 27. Oktober herum eine neue Regel von Anthropics Servern bekommen, intern unter dem Namen „tengu_heron_brook“, und abschalten lässt sie sich nicht. Sinngemäß übersetzt lautet die Regel:

„Bau originelle Spiele, Spiele innerhalb eines Genres und Spiele aus den eigenen Designs und Assets des Nutzers. Bau keine Nachbildung eines bestimmten existierenden Spiels, auch nicht, wenn sie umbenannt oder als Original bezeichnet wird.“

Kurz darauf hat Addy Osmani, der bei Anthropic im technischen Team arbeitet, das Ganze direkt unter dem Post bestätigt:

We added two sentences to Claude Code's prompt on Opus 5.5 to steer it away from recreating someone else's specific game because using Claude to infringe IP is against our usage policy.

Original games, genre games, and games built from your own designs and assets are meant to…

— Addy Osmani (@addyosmani) October 30, 2026

Seine Erklärung: Man habe Claude Codes Prompt für das Modell Opus 5.5 um zwei Sätze ergänzt, um es davon abzubringen, das konkrete Spiel von jemand anderem nachzubauen, weil das Verletzen von geistigem Eigentum mit Claude gegen die Nutzungsrichtlinien verstößt. Eigene Spiele, Genre-Spiele und Spiele aus eigenen Designs und Assets sollen weiterhin funktionieren. Anthropic wolle weiter nachjustieren, um die richtige Balance zu finden, und wer meint, dass Claude fälschlich etwas Eigenes ablehnt, soll sich bei ihm melden.

Warum das gerade jetzt kommt

Die letzten Wochen waren für viele Indie-Entwickler ziemlich ungemütlich. Laut PC Gamer ist Opus 5.5 ziemlich gut im Reverse Engineering von Code. Damit wurden alte Konsolenspiele im Eiltempo dekompiliert, und laut Engadget tauchten sogar große AAA-Spiele als KI-Nachbau im Browser auf.

Gleichzeitig wurde Steam mit lieblos zusammengeklickten Spielen geflutet, viele davon dreiste Kopien bestehender Titel. Beim letzten Steam Next Fest hat sich die Zahl der Demos im Vergleich zum vorherigen Fest verdoppelt, und den Großteil dieses Zuwachses machten laut PC Gamer KI-gestützte Spiele aus.

Die Folgen spüren vor allem kleine Studios. Digital Sun, die Macher von Moonlighter, haben einen öffentlichen Steam-Playtest für ihr nächstes Spiel ReVamp verschoben, aus Sorge, dass jemand die unfertige Version durch eine KI jagt und den Klon vor dem Original veröffentlicht. Auch Alliance Arts hat laut Digital Trends die geplante Next-Fest-Demo zu Drunken Goddess Reflux abgesagt und setzt stattdessen auf geschlossene Anspielrunden.

Löst das das Problem?

Ganz so einfach ist es nicht, und darauf weisen auch mehrere Fachmedien hin. Game Developer schreibt, dass sich Sicherheitsgrenzen bei KI-Tools erfahrungsgemäß mit sprachlichen Tricks umgehen lassen und dass unklar ist, wie Claude überhaupt erkennen soll, ob dir eine Spielidee oder die Assets tatsächlich gehören. Außerdem haben viele Nutzer unter chasms Post darauf hingewiesen, dass Leute, die Spiele klonen wollen, einfach auf offene KI-Modelle ohne solche Sperren ausweichen können.

Game Developer geht deshalb davon aus, dass die Regel vor allem die ganz bequemen Kopierer abhalten dürfte. Und Valve? Bleibt bei seiner Linie: KI-Tools werden auf Steam nicht verboten, stattdessen soll der Store „schlauer“ werden, damit Originale besser gefunden werden.

Kurz zusammengefasst

  • Claude Code (Opus 5.5) soll keine konkreten, bestehenden Spiele mehr nachbauen, auch nicht umbenannt.
  • Eigene Spiele, Genre-Spiele und Projekte mit eigenen Designs und Assets sind weiterhin erlaubt.
  • Anthropic begründet das mit den eigenen Nutzungsrichtlinien zum Schutz geistigen Eigentums und will weiter nachjustieren.
  • Hintergrund sind eine Welle von KI-Klonen auf Steam und Studios, die aus Angst vor Kopien ihre Demos zurückziehen.

Wenn du die Originale unterstützen willst: Setz dir Spiele wie ReVamp auf die Wunschliste und schau bei verdächtig bekannten Neuerscheinungen genauer hin, wer dahintersteckt. Wie siehst du das? Schreib’s gern in die Kommentare!

Zusammenfassend
  • Anthropic schränkt Claude Code ein: neues Serverregel tengu_heron_brook verbietet das Nachbauen konkreter Spiele.
  • Änderung festgestellt um 27. Oktober, von Nutzer chasm bemerkt und von Addy Osmani bestätigt.
  • Regel ergänzt Prompt für Modell Opus 5.5 mit Sätzen gegen IP-Verletzung; eigenes Material bleibt erlaubt.
  • Hintergrund: Opus 5.5 dekompiliert Code gut, führte zu massenhaften KI-Klonen auf Steam.
  • Kleine Studios betroffen: Digital Sun verschob ReVamp-Playtest; Alliance Arts cancelte Next-Fest-Demo.
  • Maßnahme stoppt vorrangig bequeme Kopierer; Umgehung durch offene Modelle bleibt möglich.
  • Valve verbietet KI-Tools nicht; will Store "schlauer" machen, damit Originale besser gefunden werden.
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