Pool of Radiance: Ruins of Myth Drannor ist zurück: SNEG restauriert das D&D-Rollenspiel von 2001 ohne Quellcode

Seit Freitag, dem 6. November, kannst du Pool of Radiance: Ruins of Myth Drannor zum ersten Mal digital kaufen – auf Steam und bei GOG. Der Publisher SNEG bringt das rundenbasierte Dungeons-&-Dragons-Rollenspiel von 2001 zusammen mit Wizards of the Coast zurück auf moderne PCs. Und der Weg dorthin war ungewöhnlich: Laut SNEG-Mitgründer Artem Shchuiko gab es keinen Quellcode, keine Tools und keine Dokumentation mehr. Das Team hat das Spiel aus den alten Verkaufs-Discs rekonstruiert.

Key Art zu Pool of Radiance: Ruins of Myth Drannor mit Dracolich, Zauberin und Dungeons-and-Dragons-Logo
Bild: SNEG / Steam

Worum geht’s im Spiel?

Entwickelt hat das Spiel damals Stormfront Studios, veröffentlicht wurde es 2001 von Ubisoft. Schauplatz sind die Vergessenen Reiche: Unter der Stadt New Phlan ist ein neuer Pool of Radiance entdeckt worden. Von dort geht laut der offiziellen Ankündigung von SNEG eine Welle reinen Bösen aus, die alles verflucht, was sie berührt. Auf den Ruf von Elminster hin steigst du mit deiner Gruppe in die zerstörte Elfenstadt Myth Drannor hinab und sollst eine Zauberin und einen untoten Drachen (einen Dracolich) daran hindern, die Macht des Pools gegen Faerûn zu richten.

Du erstellst bis zu vier Helden und kannst unterwegs zwei weitere rekrutieren – am Ende ist deine Gruppe also sechs Personen stark. Es kommen offizielle Dungeons-&-Dragons-Regeln zum Einsatz, mit verschiedenen Völkern, Klassen und mehr als 90 Zaubern. Charaktere steigen bis Stufe 16 auf und können Zauber des 8. Grades wirken. Den Kampf kannst du klassisch rundenbasiert angehen oder mit optionalem Zug-Timer spielen, der den Begegnungen mehr Tempo geben soll.

Was bringt die Neuauflage mit?

SNEG bezeichnet die Fassung ausdrücklich als Restaurierung, nicht als Remake. Ziel sei, das Original spielbar zu machen, ohne es zu ersetzen. Auf der Steam-Seite und in der Ankündigung sind unter anderem diese Änderungen genannt:

  • läuft auf aktueller Hardware und behebt zahlreiche Bugs der Originalfassung
  • Widescreen-Unterstützung bis einschließlich 4K
  • schärfere Darstellung und eine überarbeitete Benutzeroberfläche mit neuer Aktionsleiste und Tooltips
  • volle Controller-Unterstützung und überarbeitete Kamerasteuerung
  • einstellbare Kampfanimationen
  • ein optionaler Legacy-Modus, der Gameplay und Optik der Originalfassung erhält
  • Einstellungen, mit denen du den Umfang der modernen Verbesserungen selbst festlegen kannst
Rundenbasierter Kampf in einem Steingemäuer, darunter die neue Aktionsleiste der Neuauflage
Bild: SNEG / Steam

Restauriert – ohne den originalen Quellcode

Wie das technisch gelaufen ist, erzählt Shchuiko in einem Interview mit 80 Level. Auf die Frage nach Quellcode, Entwicklungstools, Dokumentation und Original-Assets antwortet er: Es habe davon leider nichts gegeben. Gearbeitet worden sei nur mit den weltweit erschienenen Verkaufsversionen und dem, was auf diesen Discs lag. Das Team habe das Spiel deshalb aus den fertigen Verkaufsversionen rekonstruiert und Änderungen direkt in der alten Engine vorgenommen.

Für die neue Oberfläche hat SNEG nach seinen Angaben Dear ImGui verwendet, weil sich damit am schnellsten iterieren ließ. Die Hintergründe und das Gelände wurden nicht hochskaliert – das prüfe man allenfalls später. Für eine schärfere Darstellung nutzt das Studio AMD FidelityFX Super Resolution (FSR) 1.0, ohne die Originalgrafiken selbst zu verändern. Neue Elemente wie die Aktionsleiste und ihre Icons hat SNEG in doppelter Originalauflösung gezeichnet, damit sie zum restlichen, bewusst betagten Look passen. Die Schrift wurde als echte Schriftart (TTF) nachgebaut, inklusive fehlender Zeichen.

An den Kernsystemen wollte das Team nichts ändern, außer etwas sei eindeutig ein Bug. Talente frei wählbar zu machen, fehlende Klassen wie den Magier nachzurüsten oder vorgefertigte Charaktere anzupassen hätte das Projekt laut Shchuiko schnell in Richtung Remaster oder Remake geschoben. Den schlechten Ruf der Originalfassung spricht er im Interview offen an: Dahinter stecke ein zwar fehlerbehaftetes, aber unterhaltsames Rollenspiel, das unter einem zu kurzen Entwicklungszyklus gelitten habe und 2001 im Schatten von Titeln wie Baldur’s Gate II, Icewind Dale und Arcanum erschienen sei.

Getestet wurde die Neuauflage Shchuiko zufolge von Anfang an auf dem Steam Deck; das gesamte Projekt sei zuerst auf dem Handheld geprüft worden. Er selbst spiele diese Fassung persönlich am liebsten auf einem Handheld. Steam listet zudem volle Controller-Unterstützung, einschließlich DualShock und DualSense.

Heldengruppe auf einem steinernen Platz zwischen Ruinen und großen Schlangenstatuen
Bild: SNEG / Steam

Preis, Sprache und Systemanforderungen

In der offiziellen Ankündigung liegt der Preis bei 19,99 Euro. Auf Steam in Österreich steht das Spiel derzeit mit 10 Prozent Rabatt bei 17,99 Euro (Stand 8. November 2026). Eine deutsche Fassung ist dabei: Oberfläche, Sprachausgabe und Untertitel gibt es auf Deutsch. Die Mindestanforderungen sind überschaubar: Windows 10 oder 11, ein 1,8-GHz-Prozessor, 4 GB Arbeitsspeicher und 4 GB freier Speicherplatz.

Wer lieber DRM-frei kauft, findet das Spiel auch bei GOG.